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Rüppurrer Tor

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Rüppurrer Tor

Das alte Rüppurrer Tor mit Blick nach Süden zum Gasthaus “Grüner Hof”, Lithografie um 1840, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVb 373.
Das alte Rüppurrer Tor mit Blick nach Süden zum Gasthaus “Grüner Hof”, Lithografie um 1840, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIVb 373.
Bahnübergang am Rüppurrer Tor mit einfahrendem Zug, rechts das Landesgestüt (heute Platz des Scheck-in-Centers), Lithografie um 1845, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 266.
Bahnübergang am Rüppurrer Tor mit einfahrendem Zug, rechts das Landesgestüt (heute Platz des Scheck-in-Centers), Lithografie um 1845, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oXIIIb 266.
Kreuzung Rüppurrer-/Kriegsstraße von Osten, um 1870; hinter dem Gasthaus “Grüner Hof” der alte Bahnhof, rechts ein Teil des Friedrichstors und die Gründerzeitfassade des “Walfisch”, links das Gelände des Güterbahnhofs, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVe 173.
Kreuzung Rüppurrer-/Kriegsstraße von Osten, um 1870; hinter dem Gasthaus “Grüner Hof” der alte Bahnhof, rechts ein Teil des Friedrichstors und die Gründerzeitfassade des “Walfisch”, links das Gelände des Güterbahnhofs, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIVe 173.

An der Stelle des heute noch Mendelssohnplatz genannten Verkehrsknotenpunktes der Kombilösung aus ÖPNV und Autoverkehr befand sich früher das Rüppurrer Tor, das heute auch einer Straßenbahnhaltestelle den Namen gibt. Es bildete zusammen mit den übrigen fünf Stadttoren seit der Stadtgründung bis zum Beginn der 1870er-Jahre die äußere Begrenzung der Stadt. Da die badische Residenz sich immer weiter ausdehnte, wurde es mehrfach versetzt, bis es um 1790 den Endpunkt der neu trassierten Straße nach Rüppurr bildete.

Die damalige Platzsituation am Rüppurrer Tor ist durch alte Stadtpläne und eine Lithografie überliefert. Das hölzerne Tor stand unmittelbar am Landgraben, der durch eine Mauer abgegrenzt war. Ein steinernes einstöckiges Wachhaus stand noch innerhalb der Stadt östlich der Kronenstraße. Außerhalb der Stadt erkennt man auf der Lithografie das um 1820 errichtete Gasthaus zum Grünen Hof, das jenseits der Kriegsstraße lag. Diesseits der Kriegsstraße zwischen Wirtshaus und Stadttor lag der ehemalige jüdische Friedhof, der dort bereits 1723 angelegt worden war, nachdem auch zahlreiche Juden dem Gründungsaufruf des Markgrafen Karl Wilhelm gefolgt waren, sich in der neuen badischen Residenz niederzulassen. 1833 wurde in dessen Nähe auch ein jüdisches Spital errichtet, das anstelle eines älteren Vorgängerbaus entstand und als Gebäude sogar den Zweiten Weltkrieg überstand, bis es der Altstadtsanierung zum Opfer fiel. Der jüdische Friedhof wurde aber bereits 1826 stillgelegt und neben den heutigen Alten Friedhof an der Kapellenstraße verlegt.

Das Rüppurrer Tor wurde 1852 zur Erweiterung der Kronenstraße abgerissen, aber bereits wenig später durch das monumentale, nach dem damaligen Prinzregenten benannte Friedrichstor ersetzt, das Bezirksbaumeister Wilhelm Waag geplant hatte. Dieses Stadttor erinnerte in seiner Materialsichtigkeit der Fassade, mit seinen halbkreisförmigen Fenstern und den triumphbogenartigen Zugängen zum Wachlokal etwas an das von Heinrich Hübsch 1828 erbaute Karlstor. Hübsch wirkte 1854 noch als badischer Oberbaudirektor in Karlsruhe, so dass der von ihm propagierte Rundbogenstil damals an vielen öffentlichen Gebäuden Verwendung fand. Er hatte 1837 auch das Landesgestüt für die Pferdezucht und als Reitschule geplant, dessen Stallungen 72 Hengste aufnahmen und von dem ein von einem Discounter genutzter Torso noch Ende des 20. Jahrhunderts an der Südwestecke des Platzes an der Rüppurrer Straße stand.

Seit 1843 gab es einen Bahnübergang am Rüppurrer Tor, der für die Zugfahrten vom oder zum nahen Bahnhof häufig geschlossen werden musste und somit später ein Verkehrshindernis für den Zugang zur Südstadt und von dort zur Innenstadt bildete. Tatsächlich wurde 1885 unter der Bahnlinie am Rüppurrer Tor ein Fußgängertunnel angelegt, um dieser Situation etwas abzuhelfen. Kurz nach der Reichsgründung wurde das Friedrichstor wie alle übrigen Stadttore in Karlsruhe abgerissen. Seit 1890 führten die Gleise der dampfbetriebenen Lokalbahn hier vorbei, deren Lokalbahnhof unweit davon in der Kapellenstraße errichtet worden war. Den stillgelegten jüdischen Friedhof ebnete man 1897 ein, nachdem die mittlerweile in einen orthodoxen und in einen liberalen Teil aufgespaltene jüdische Gemeinde die dort noch vorhandenen Grabstätten und Grabmäler auf ihre Friedhöfe an der Kriegsstraße und an der Haid-und-Neu-Straße versetzt hatte. Durch die Neubauten der Kaiserzeit am Mendelssohnplatz bekam diese Stadtregion danach ein völlig neues Gesicht.

Peter Pretsch 2026

Literatur

Karlsruhe im Jahre 1870: baugeschichtliche und ingenieurwissenschaftliche Mittheilungen / den Mitgliedern der XVI. Versammlung Deutscher Architecten und Ingenieure dargebr. vom Badischen Techniker-Verein, Redaktion: Karl Joseph Berckmüller, Josef Durm, Robert Gerwig, Joseph Victor von Scheffel, Karlsruhe [1872], S. 87, https://digital.blb-karlsruhe.de/2965494 (Zugriff am 13. Oktober 2026); Peter Pretsch: Rüppurrer Tor / Mendelssohnplatz, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2003, S. 143-147 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26).