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Scheffelmuseum


Scheffelmuseum

Werner Kremser, Leiter des Scheffelmuseums, um 1920, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 413.
Werner Kremser, Leiter des Scheffelmuseums, um 1920, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS oIII 413.

Am 18. September 1913 beschloss der Karlsruher Stadtrat auf Antrag des Oberbürgermeisters Karl Siegrist die Einrichtung eines Scheffel-Museums in den Städtischen Sammlungen, heute Stadtmuseum. Zu diesem Zweck nahm die Stadt mit der Witwe Leonie Scheffel Kontakt auf, die Interesse zeigte und ihre Unterstützung für dieses Vorhaben ebenso wie die Einrichtung eines Scheffelzimmers in der geplanten Karlsruher Jubiläumsausstellung 1915 zusagte. Da diese wegen des Ersten Weltkrieges nicht zustande kam, wurde das Scheffelzimmer anlässlich des 70. Geburtstages der Schriftstellerin Alberta von Freydorf in der Wohnung der Dichterin in der Kaiserstraße eingerichtet. Von Freydorf hatte die Einrichtung eines Scheffelmuseums gefördert und galt mit dem Schriftsteller Werner Kremser aus Breslau als maßgebliche Initiatorin.

Kremser, der zuvor schon im Auftrag der Familie Scheffel Materialien und Unterlagen zu Scheffel zusammengetragen hatte, war mit den Vorarbeiten für ein Scheffelmuseum beauftragt worden. Gemeinsam mit dem Sohn des Dichters Viktor Scheffel hatte er einen Teil des Nachlasses geordnet, der dann dem Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar übergeben wurde. Kremser verfolgte die Gründung eines Scheffelmuseums weiter und dachte dabei schon an eine Erweiterung zu einem badischen Dichtermuseum. Es gelang mit der Zustimmung der Erben Scheffels und mit Hilfe des badischen Staatsministeriums den Weimarer Teil des Scheffel-Nachlasses nach Karlsruhe zurückzuholen. Die Familie überließ weitere Teile des Nachlasses der Stadt als Leihgabe. 1917 beschloss die Stadt Karlsruhe dann tatsächlich die Einrichtung eines Scheffelmuseums, im April des Jahres wurden dafür 25.000 Reichsmark in den Haushalt eingestellt.

1921 firmierte Kremser noch als Leiter des Scheffel-Archivs. Doch aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Nachkriegszeit war an eine Realisierung des Scheffelmuseums durch die Stadt nicht mehr zu denken. Die Stadt Karlsruhe dachte deshalb an die Übergabe an das Land Baden in Form einer Leihgabe. Doch nach der Gründung des Deutschen Scheffelbundes im September 1924 in Heidelberg musste die Stadt die Leihgaben der Familie Scheffel Ende 1924 zurückgeben. Nach einer Erkrankung Kremsers beauftragte die Familie Scheffel Reinhold Siegrist, Sohn des früheren Karlsruher Oberbürgermeisters Karl Siegrist und seit 1925 Geschäftsführer des Scheffelbundes, mit der Betreuung des Nachlasses. Im Auftrag des Scheffelbundes übernahm Siegrist 1925 und 1926 den Scheffelnachlass aus dem Familienbesitz als Leihgaben. Nach einer Zwischenlagerung des Materials in der Rheinischen Kreditbank konnte das Deutsche Scheffelmuseum dann im Bibliotheksbau des Karlsruher Schlosses mit einem finanziellen Zuschuss der Stadt am 12. Februar 1926 mit einem Festakt eröffnet werden. Der Feier wohnten Staatspräsident Gustav Trunk, Innenminister Adam Remmele, Oberbürgermeister Julius Finter und zahlreiche weitere Karlsruher Honoratioren bei. Die Eröffnungsrede hielt der erste Vorsitzende des Scheffelbundes, der Heidelberger Germanist Friedrich Panzer.

In der Folgezeit kamen 1926 durch Ankauf der Teil des Scheffel-Nachlasses von Vera Stühlen, Tochter von Victor und Leonie von Scheffel, 1927 die Scheffelsammlung von Anton Breitner in Mattsee, 1929 die Scheffelsammlung des Leipziger Buchhändlers Richard Volbeding hinzu. Erneut wurden 1929 Pläne "über den Ausbau des Deutschen Scheffelmuseums in Karlsruhe zum Badischen Dichtermuseum" vorgelegt, die an Kremsers Überlegungen anschlossen. Siegrist stellte diese auch den Teilnehmenden des Badener Heimattages 1930 vor. Da die Weltwirtschaftskrise die Stadt aber inzwischen erneut in schwere finanzielle Bedrängnis gebracht hatte, war an eine Realisierung vorerst weiterhin nicht zu denken.

Immerhin wurde das Museum 1932 mit dem Scheffelbund in das Obergeschoss des Hauses Solms in der Bismarckstraße 24 verlegt. Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde der Bund gleichgeschaltet. In der Mitgliederversammlung am 8. Dezember 1933 trat der gesamte Vorstand, wie im Gleichschaltungsprozess vorgesehen, zurück. Der Gründungsvorsitzende Friedrich Panzer wurde zum neuen "Bundesführer" ernannt und berief zugleich den zum Ministerialrat und Leiter der Hochschulabteilung im badischen Kultusministerium aufgestiegenen Volkskundler Eugen Fehrle, seit 1931 Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), zu seinem Stellvertreter. Siegrist, der erst 1940 in die Partei eintrat, blieb Geschäftsführer und betrieb die Erweiterung des Scheffelmuseums zum Badischen Dichtermuseum mit Eifer weiter, die 1936 erfolgte.

1939 wurde der Scheffelbund in das Reichswerk Buch und Volk aufgenommen, dessen Aufgabe es war, "im völkischen Sinne durch die Pflege deutschen Geistestums" kulturelle Arbeit zu leisten. Der Bund führte seitdem den Namenszusatz "im Reichswerk Buch und Volk". Vorgesehen war nun eine Umgestaltung in ein Museum der Dichter und Dichtung am Oberrhein. Bundesleiter war seit 1938 der Direktor der Karlsruher Lebensversicherung Adolf Franz Samwer, seit 1936 Mitglied der NSDAP. Der Bund firmierte nun mit der Kopfzeile "Pflege deutschen Geistes in Leben und Dichtung". Neue Ortsgruppen entstanden nun auch im annektierten Elsass, in "Kolmar, Mühlhausen und Straßburg", ganz im Sinne der "Germanisierungspolitik" des badischen Gauleiters Robert Wagner, ohne dass der Bund erkennbar aggressiv öffentlich dafür warb und auch in Akten keine diesbezüglichen Äußerungen zu finden sind. Die Bestände des Museums waren im Zweiten Weltkrieg rechtzeitig ausgelagert worden und blieben weitgehend unversehrt.

Nach deren Rückführung ins Haus Solms blieb das Museum aber weiterhin geschlossen, der Bund erhielt aber noch im Jahr 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht die Zulassung. Ende des Jahres erfolgte die Umbenennung des Vereins in Volksbund für Dichtung vorm. Scheffelbund. Im Januar 1946 veranstaltete der Bund wieder öffentliche Dichterstunden in den Räumen des ehemaligen Museums, die nun wieder zum festen Repertoire des Karlsruher Kulturlebens wurden. Im April 1949 waren die Bestände des Museums zwar weitgehend wieder vor Ort, sie konnten aber nach wie vor allenfalls zu kleinen Teilen in Wechselausstellungen im Lesezimmer des Volksbundes gezeigt werden. 1951 veröffentlichten die AZ-Allgemeine Zeitung und die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) einen Artikel "Badisches Dichtermuseum in Mottenkisten" und mahnten Maßnahmen zur Erhaltung der "wertvollen Dokumente deutscher Geistesgeschichte" an.

Doch erst 1965 zog der Volksbund in das städtische Gebäude Röntgenstraße 6 und eröffnete dort im letzten Dienstjahr des Geschäftsführers Siegrist das Oberrheinische Dichtermuseum. 1998 zog das Museum in das städtische Kulturzentrum Prinz-Max-Palais. 2004 wurde aus dem Oberrheinischen Dichtermuseum das Museum für Literatur am Oberrhein.

Ernst Otto Bräunche 2026

Quellen

GLA 56-1/3660 und 233/10716; StadtAK 1/H-Reg 1884; Reinhold Siegrist: Das Deutsche Scheffelmuseum als Grundlage des Badischen Dichtermuseum, in: Festschrift zum Badener Heimattag Karlsruhe 1930, S. 32.

Literatur

Joseph Victor von Scheffel. Inventar zu Nachlass und Sammlung, hrsg. von Hansgeorg Schmidt-Bergmann und Hansmartin Schwarzmaier im Auftrag der Literarischen Gesellschaft/Scheffelbund, Karlsruhe 2001, S. 25-28 (= Schriften des Museums für Literatur am Oberrhein Bd. 2); Peter Pretsch: Das Haus Solms. Wohnsitz. Museum. Gästehaus, Karlsruhe 2025 (= Häuser- und Baugeschichte, Schriftenreihe des Stadtarchivs Karlsruhe Bd. 17).