Musikhaus Schlaile
Kaiserstraße 175
1905 gründete der aus dem württembergischen Weiler Schöllhütte stammende Kaufmann Johannes Schlaile in Karlsruhe eine nach ihm benannte Firma mit Ladengeschäft in der Douglasstraße 24, in dem er Musikautomaten (Orchestrien), Sprechmaschinen (Grammophone) sowie Spiel- und Unterhaltungsautomaten aller Art verkaufte. Regelmäßig warb er in der Karlsruher Zeitung und der Badischen Presse für seine "große Musterausstellung an neuesten Fabrikaten in allen Preislagen" und bot bei Kauf Garantie, Ratenzahlung sowie einen Reparaturservice an. Das Geschäft wurde rasch über Karlsruhe hinaus bekannt und galt bereits 1909 als größtes Spezialgeschäft für Sprech-, Musikapparate und Schallplatten in Baden. In demselben Jahr erweiterte Schlaile sein Sortiment um neue und gebrauchte Pianos.
Zum 5. Oktober 1910 eröffnete Johannes Schlaile ein Filialgeschäft für den Einzelhandel in der Kaiserstraße 187. Da er darin vorrangig Musikapparate und Schallplatten der Marke Odeon anbot, nannte er es Odeon-Haus. Das Hauptgeschäft in der Douglasstraße, das neben Grammophonen und Schallplatten eine große Auswahl an Flügeln, Pianos, Kunstspielpianos und Harmonien anbot, blieb insbesondere für Großkunden und Händler weiter bestehen. Um diese Zeit dürfte auch das elsässische Zweiggeschäft in Straßburg eröffnet worden sein, welches er nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wieder aufgab.
Im Juli 1916 vereinigte Schlaile die Firma Johannes Schlaile in der Douglasstraße mit dem Odeon-Haus in der Kaiserstraße, das spätestens seit 1913 als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) geführt wurde, zum Odeon-Musikhaus GmbH und bezog neue, wesentlich größere Geschäfts- und Ausstellungsräume in der Kaiserstraße 175. Neben Flügeln, Pianos, Harmonien und anderen Musikinstrumenten bildeten Musikapparate und Schallplatten auch weiterhin den Schwerpunkt des Sortiments. Ab Mitte der 1920er-Jahre vertrieb Schlaile neben Odeon-Artikeln auch Parlophon-Musikapparate und -platten der Carl Lindström AG Berlin, sogar in der Schweiz, weshalb Schlaile in Basel die Musikindustrie AG gründete, die nach seinem Tod am 30. Oktober 1932 eingestellt und 1934 im Basler Handelsregister gelöscht wurde.
Am 14. Dezember 1926 – im Jahr zuvor hatte Schlaile das Geschäftshaus in der Kaiserstraße 175 käuflich erwerben können – änderte er den Firmennamen in Musikhaus Schlaile GmbH, Odeon-Haus und machte den erst 22-jährigen Sohn Wilhelm, der die Ausbildung in dem für den Musikinstrumentenbau berühmten Vogtland absolviert hatte, zum gleichberechtigten Geschäftsführer des Unternehmens. Als Wilhelm nach dem Tod des Vaters 1932 den Betrieb allein weiterführte, rückte er die deutsche Volksmusik, die unter den Nationalsozialisten seit 1933 einen enormen Aufschwung erlebte, in den Mittelpunkt des Unternehmens. Das Akkordeon zählte in der NS-Zeit zu den meist verkauften Instrumenten. Wilhelm Schlaile selbst förderte die Gründung zahlreicher Handharmonika-Orchester in Karlsruhe und der Umgebung. Aber auch Radiogeräte bildeten mittlerweile einen wichtigen Bestand des Ladengeschäfts. 1940 eröffnete er noch eine Filiale in der Kaiserstraße 96, direkt neben der Union Vereinigte Kaufstätten GmbH, später Kaufhaus Hertie.
Nachdem Wilhelm Schlaile zum Kriegsdienst eingezogen wurde, führten seine Ehefrau Else, seine Mutter Mathilde und einige Mitarbeiter das Unternehmen weiter. Beim Luftangriff am 27. Mai 1944 wurde das Hauptgeschäft in der Kaiserstraße 175 zerstört und wenige Monate später, beim Luftangriff am 27. September 1944, auch das Zweiggeschäft in der Kaiserstraße 96.
Da Wilhelm Schlaile nach Kriegsende in französischer Kriegsgefangenschaft war, stellte seine Frau Else Schlaile als Generalbevollmächtigte im September 1945 den Antrag auf Wiedereröffnung des Musikgeschäfts in einem angemieteten Behelfslokal in der Akademiestraße 18. Anfang März 1946 wurde dies vom Wirtschaftskontrollamt genehmigt. Obwohl Schlaile inzwischen nach Karlsruhe zurückgekehrt war, wurde Wilhelm Schmidt zum alleinigen Geschäftsführer ernannt. Am 18. November 1946 konnte das Geschäft in die instandgesetzten Räume in der Kaiserstraße 96 zurückkehren. Im Frühjahr 1955 war der Wiederaufbau des Hauptgeschäftes in der Kaiserstraße 175 soweit abgeschlossen, dass das 50-jährige Firmenjubiläum und die Neueröffnung der Geschäftsräume am 18. Mai 1955 gemeinsam gefeiert wurden. Der Standort Kaiserstraße 96 wurde aufgegeben.
1977 übernahmen die beiden Söhne Hans-Gerd und Willfried Schlaile, die seit den 1960er-Jahren im Geschäft mitarbeiteten, die Leitung des Unternehmens, welches durch den Heimorgel- und Keyboard-Boom in den 1970er-Jahren Filialen in Pforzheim, Landau, Bretten, Bühl, Bruchsal und Offenburg eröffnete. Mit Peter Schlaile trat 2003 die vierte Generation in den Familienbetrieb ein. Zum 300. Stadtgeburtstag 2015 initiierte das Musikhaus Schlaile, das mit seinem Pianohaus über eine große Klavier- und Flügelabteilung verfügte, in Zusammenarbeit mit dem Kooperationsmarketing der Stadt Karlsruhe die Klavieraktion Spiel Mich!, bei der über mehrere Wochen Klaviere zum freien Musizieren in der Innenstadt aufgestellt wurden. Die Aktion stieß in der Bevölkerung auf so großen Zuspruch, dass sie seitdem in unregelmäßigen Abständen wiederholt wird. Seit 2017 ist das Pianohaus Schlaile C. Bechstein Partner Centrum Karlsruhe.
Schon 2014 wurde die Zweigstelle Bühl aufgegeben und durch ein mobiles Geschäftsmodel ersetzt. 2019 wurden der Standort Rastatt und 2020 der Standort Bruchsal aufgegeben. Neben dem Karlsruher Traditionshaus gibt es heute noch in Offenburg, Pforzheim und Landau Niederlassungen.
Quellen
StadtAK 1/Wi-ko-Amt 6348, 1/H-Reg 8363; 50 Jahre Musikhaus Schlaile Karlsruhe 1905-1955 (Festschrift, 4 Blatt); Pianohaus Schlaile – C. Bechstein Partner Zentrum Karlsruhe, https://www.bechstein.com/centren/karlsruhe/startseite/; Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7864903 (Zugriff jeweils am 28. Mai 2026).