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Leipheimer und Mende, Stoff- und Tuchgrosshandel


Leipheimer und Mende, Stoff- und Tuchgrosshandel

Geschäftshaus des Stoff- und Manufakturwarenladens Leipheimer & Mende in der Kaiserstraße 169, um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schmeiser 647.
Geschäftshaus des Stoff- und Manufakturwarenladens Leipheimer & Mende in der Kaiserstraße 169, um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schmeiser 647.
Geschäftsräume der Leipheimer & Mende Manufakturwarenhandlung, um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 294.
Geschäftsräume der Leipheimer & Mende Manufakturwarenhandlung, um 1910, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS X 294.
Bauarbeiten in der Kaiserstraße, im Hintergrund das Geschäftshaus Leipheimer & Mende, 1965, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A12/56/2/9 (Ausschnitt).
Bauarbeiten in der Kaiserstraße, im Hintergrund das Geschäftshaus Leipheimer & Mende, 1965, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A12/56/2/9 (Ausschnitt).

Im Jahr 1834 gründete der Geschäftsmann Georg Leipheimer (1810-1874), Sohn eines Karlsruher Bürgers, gemeinsam mit Friedrich Mathis (1809-1879), kaiserlich brasilianischer Generalkonsul aus Straßburg, eine Ellenwarenhandlung unter dem Namen Mathis & Leipheimer. Aus dieser sollte später die bekannte und erfolgreiche Großhandlung für Stoffe "Leipheimer & Mende" hervorgehen. Die Gründung des Deutschen Zollvereins kurz zuvor ließ auf eine florierende Wirtschaft und damit auf ein gut anlaufendes Geschäft hoffen. Vor diesem Hintergrund nahm Leipheimer am 1. Juli 1834 den ersten Eintrag in das über viele Jahrzehnte bestehende Hauptbuch der Firma vor. Der Fokus des Sortiments lag von Beginn an auf Stoffen und Heimtextilien, die in enger Verbindung mit dem Stoff verarbeitenden Handwerk, Stoffgeschäften und Privathaushalten auf den Markt gebracht wurden.

Als Verkaufsraum diente den Geschäftsleuten zunächst der elterliche Gasthof Leipheimers Zum Kaiser Alexander in der Karlstraße 27. Ab Oktober 1834 konnten schließlich Räumlichkeiten in der Lange Straße 149 – heute Kaiserstraße 151 – bezogen werden. Nachdem das Geschäft erfolgreich angelaufen war, reichten die bisherigen Räumlichkeiten nicht mehr aus. Leipheimer und Mathis bauten daraufhin ein neues Haus in der Kaiserstraße 86, das sie am 13. Mai 1841 beziehen konnten. Von Beginn an maßen die Firmeninhaber dem geschäftlichen Reisen eine hohe Bedeutung zu. Auf direkte Weise war es ihnen so möglich, weitere Bezugsquellen ausfindig zu machen und ein stabiles Geschäftsnetzwerk aufzubauen.

Gebeutelt von der Revolution 1848/49 kam das Geschäft zwischenzeitlich ins Stocken. Anschließend normalisierte es sich im Laufe der Jahre wieder zügig. 1867 verließ Mathis aus gesundheitlichen Gründen das gemeinsame Geschäft. Seither lebte er bis zu seinem Tod am 14. November 1879 als Privatmann und kaiserlich brasilianischer Konsul weiterhin in Karlsruhe. Nach dem Ausscheiden Mathis‘ entschied sich Georg Leipheimer, seinen Sohn Max (1846-1936) an seine Seite zu holen. Zusammen leiteten sie die Firma bis ins Jahr 1871, als Georg Leipheimer aus dem Geschäft ausschied.

An seine Stelle trat 1871 der Geschäftsmann Julius Mende aus Glachau, Landkreis Zwickau. Zum Jahresanfang erfolgte vor diesem Hintergrund die Firmenumbenennung in Leipheimer und Mende. Mende ging nun häufiger auf Geschäftsreisen und setzte sich besonders für den Großhandel ein. Doch auch der Einzelhandel nahm zu und die Geschäftsräume weiteten sich auf das Nachbarhaus, die Kaiserstraße 88, sowie die Hinterhäuser bis zur Ritterstraße aus.

1895 stieg Karl von Pfeil (1871-1915), ein Neffe Leipheimers, als Teilhaber in die Firmenleitung ein. Leipheimer zog sich nun Stück für Stück aus den Geschäften zurück. In den folgenden Jahren wuchs das Geschäft weiterhin in solchem Maße an, dass ein Neubau in Erwägung gezogen wurde, der den bestehenden Erfordernissen Rechnung tragen konnte. 1899 erwarb die Firma das frühere Levingersche Anwesen und errichtete von März bis November 1900 auf dem Grundstück einen Neubau in der Kaiserstraße 169. Dieser wurde als "Schmuck" der Stadt bezeichnet und mit neuester Technik ausgestattet. Eine moderne Moore-Lichtanlage – der Vorgänger der Neonleuchte – wurde zu einer viel besprochenen Sehenswürdigkeit, die auch in der Presse Aufsehen erregte.

Im selben Jahr stieg Leipheimer vollständig aus der Firma aus und blieb als stiller Teilhaber dem Geschäft verbunden. Nun trat Julius Trück aus Baden-Baden, bereits 1889 Lehrling in der Firma, in die Leitung ein. Wenig später, im Jahr 1904, starb Mende nach langer und schwerer Krankheit. Die Firma wurde seither von Karl von Pfeil und Julius Trück alleine weitergeführt.

Während des Ersten Weltkriegs kam das Geschäft erneut ins Stocken. Neben einigen Mitarbeitern trat auch von Pfeil als Reserveoffizier in den Militärdienst ein. Am 22. April 1915 wurde er bei Ypern als Oberleutnant der Landwehr und Regimentsadjutant des Reserve-Infanterie-Regiments 238 tödlich verwundet. Zusätzlich wurde das Geschäft durch den herrschenden Rohstoffmangel belastet. Gegen Ende des Krieges versuchte man notgedrungen mit Stoffen, die aus Papiergarn hergestellt wurden, dem Mangel entgegenzuwirken.

Nach Ende des Kriegs machte sich auch in der Belegschaft das Fehlen der Kriegsopfer bemerkbar. Elf Mitarbeiter kehrten nicht zurück. Trück war nun alleiniger Inhaber, bis 1919 Ernst Stuffer (1894-1967), ein Neffe Trücks, aus Baden-Baden in die Firmenleitung eintrat. Im Laufe der Zeit wurden erneut Dienstreisen aufgenommen und das Geschäft lief wieder an. 1927 wurde die Firma in eine offene Handelsgemeinschaft (oHG) umgewandelt.

Nachdem das Geschäft auch nach der Inflation in den 1920er-Jahren weiter florierte, begann man in den Jahren 1937/38 mit einem Anbau und der Vergrößerung der Kaiserstraße 169/171. Die Firma überstand wirtschaftliche und politische Krisen, wofür sie ihren weiterhin aufrecht erhaltenen Charakter als Spezialgeschäft für Stoffe verantwortlich machte. Auch in Zeiten von Industrialisierung und fortschreitender Mechanisierung hielt sich der Groß- und Einzelhandel mit dem Fokus auf die Verbindung zum Schneiderhandwerk und zur "selbstschaffenden Hausfrau" auf diese Weise aufrecht. 1939 gründeten Stuffer und Trück die gleichnamige Firma Stuffer & Trück. Sie wurde zum Träger von Leipheimer & Mende, dessen Name jedoch unverändert blieb.

Nachdem Trück im Jahr 1943 als Teilhaber ausstieg, leitete Stuffer beide Firmen als Einzelkaufmann weiter. In den folgenden Jahren avancierte er gleichzeitig in der Industrie und Handelskammer Karlsruhe (IHK) zu einem langjährigen geschätzten Mitglied und schließlich zum Vizepräsidenten (1949-1962).

Während des Zweiten Weltkriegs hatte die Firma, wie viele andere Geschäfte, erneut mit Personalmangel und der Knappheit von Rohstoffen zu kämpfen. Die Beschaffung von Waren war in Zeiten der Kriegswirtschaft beschwerlich und nach einer prioritätenbasierten Punkteliste reglementiert. 1944 wurden sowohl die Geschäftsräume als auch das Warenlager in der Kaiserstraße 169 bei Luftangriffen im Juli und September zerstört. Die in den Gebäuden vorübergehend eingerichteten Notunterkünfte wurden ebenfalls am 4. Dezember in Schutt und Asche gelegt.

Nachdem mit den Gebäuden auch alle verbliebenen Warenbestände vernichtet worden waren, war es noch schwieriger, neue Waren zu beschaffen: "Fliegerschäden" waren kein Grund, bevorzugt Waren zu bekommen. Auch bei den einstigen Lieferanten selbst waren die Engpässe so groß, dass es bis ins Frühjahr 1945 dauerte, bis neue Warenbeschaffungen erfolgen und damit die Geschäfte wieder anlaufen konnten. Ab diesem Zeitpunkt waren erstmalig Reisen wieder möglich. Als Geschäftsräumlichkeiten dienten seit der Zerstörung nunmehr der Keller der Kaiserstraße 171 und ein Ausweichlager im Karlsruher Umland.

In den Jahren 1946 bis 1948 wurde in Baden-Baden, Teil der französischen Besatzungszone, eine neue Außenstelle eröffnet. Aus der Not heraus, war man in jener Zeit dazu übergegangen, auch Haushaltsgegenstände zu verkaufen. 1949 konnte der erste Wiederaufbau des Erdgeschosses und des Ersten Obergeschosses in der Kaiserstraße 171 abgeschlossen werden. Über deren Wiedereröffnung sowie die Dekoration der Schaufenster wurde vielfach in der Presse berichtet. Zwei Jahre später erfolgte der zweite Wiederaufbau: Das zweite und dritte Obergeschoss konnten wiederbezogen werden. Im Jahr 1953 trat Stuffers Neffe Hanns-Christian Heyer-Stuffer (1927-2021) ins Geschäft ein. Er wurde Junior-Chef und Prokurist.

In den 1950er-Jahren lief die Wirtschaft wieder merklich an. Es wurde verstärkt geworben, eine ausgefeilte und in der Presse gelobte Schaufensterdekoration erstellt und gemeinsam mit der Firma Haid und Neu Amateur-Modenschauen ins Leben gerufen. Ein Jahr später war der dritte Wiederaufbau abgeschlossen. Am 30. November 1957 konnte die Eröffnung des sich nun auf die Kaiserstraße 169/171 erstreckenden modernen Ladens gefeiert werden.

Im Jahr 1959 beging Stuffer sein 40jähriges Arbeitsjubiläum. Gleichzeitig wurde die Firma 125 Jahre alt. Zu diesem Jubiläum verteilte man am 1. Juli eine kurze Chronik und eine Replik des Gemäldes "Dame im Stoffladen" von Jacob Dorner. Zu dieser Zeit trat die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft in Kraft und der Handel weitete sich über alte Grenzen hinaus aus. 1964 wurden die Geschäftsräume noch einmal umgebaut und modernisiert mit einer pressewirksamen Wiedereröffnung. In den folgenden Jahren gab es immer wieder öffentliche Veranstaltungen, wie 1965 einen Kindermalwettbewerb. 1967 verstarb Ernst Stuffer.

Die nun folgenden Erbauseinandersetzungen führten trotz guter Geschäftslage zur Schließung der Traditionsfirma, die letztmals 1970 in den Karlsruher Adressbüchern als in der Kaiserstraße 169/171 ansässig aufgeführt ist.

Leonie Mohr 2026

Quellen

Manufakturwarenhandlung Leipheimer und Mende (Hrsg.): Fünfundsiebzig Jahre der Firma Leipheimer & Mende. Den Freunden des Hauses gewidmet, Karlsruhe 1909; Manufakturwarenhandlung Leipheimer und Mende (Hrsg.): Leipheimer & Mende. 1834-1934. Karlsruhe in Baden, Karlsruhe 1934; StadtAK 8/StS 24/699, 795, 798, 8/ZGS Sachthemen – 484, 1/Wi-ko-Amt 3877, 4950.