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Ludwig Gottfried Werle


Ludwig Gottfried Werle

Ludwig Gottfried Werle, Foto 1933, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 12/80a.
Ludwig Gottfried Werle, Foto 1933, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 12/80a.

Kaufmann, Schreiner, NSDAP-Funktionär, * 24. Mai 1897 Kaiserslautern, † 1979 Merzig, kath., gottgläubig, ∞ 8. November 1928 Elly Wittmann, 3 Kinder.

Der Sohn eines Schreinermeisters besuchte 1903 die Volksschule Wieblingen bei Heidelberg, 1903/04 die Bürgerschule Mannheim und dann 1904 bis 1907 die Nebeniusschule Karlsruhe. Nach dem Reformgymnasium, heute Goethe-Gymnasium (1907 bis 1910) arbeitete er als Lehrling in der väterlichen Schreinerei. In dieser Zeit besuchte er auch die Handelsschule und belegte einen Zeichen- und Modellierfachkurs an der Kunstgewerbeschule. 1912 bis 1914 gehörte er dem Katholischen Jugendverein, 1914 bis 1916 dem katholischen Kaufmännischen Verein Fidelitas an.

Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs war er bis 1916 Mitglied der Karlsruher Jugendwehr. 1916 bis 1918 leistete er Kriegsdienst, zuletzt als Gefreiter beim Infanterieregiment 114 und 185 und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse und dem Kriegsversehrtenkreuz ausgezeichnet.

1919 trat er mit der Mitgliedsnummer 622 dem antisemitischen rechtsradikalen Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund bei und gehörte diesem bis zu dessen Verbot 1922 an. Seit Herbst 1920 war Werle auch Mitglied der neu gegründeten Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Deutschland (NSDAP) mit der Mitgliedsnummer 37931. 1924/25 trat er in der Verbotszeit der NSDAP deren Tarnorganisation, der Deutschen Partei, bei. Nach der Wiedergründung der NSDAP 1925 trat er dieser wieder bei und erhielt die Mitgliedsnummer 24373. Werle war damit nicht nur ein "alter Kämpfer", sondern wohl auch das erste nachweisbare NSDAP-Mitglied aus Karlsruhe. Der spätere Kreisleiter Willi Worch bezeichnete ihn als "ein Stück Geschichte der NSDAP des Gaus Baden". Dafür wurde er später mit dem Goldenen Parteiabzeichen, dem Gauehrenzeichen in Silber und Gold und der Dienstauszeichnung in Bronze und Silber geehrt.

Vom 25. März 1925 bis 15. Januar 1929 fungierte er als Stellvertretender Gaukassier, vom 2. Februar 1929 bis zum 16. Oktober 1929 hatte er das Amt des Gauschatzmeisters der Standarte 32 der Schutzstaffel (SS), deren Mitbegründer er war. In der Partei war er vom 1. April 1930 bis 1. August 1934 Sektionsführer, die Ortsgruppenleitung Karlsruhe Südwest hatte er von Januar 1933 bis Juli 1934 und dann wieder ab November 1938 inne. Dem Reservesturm 10/109 der Sturmabteilung (SA) der NSDAP gehörte er vom 24. März 1931 bis 12. Augst 1932 an. 1933 trat er der Deutschen Arbeitsfront (DAF) bei, 1934 wurde er zudem Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), zum 1. Juli 1934 wurde er Förderndes Mitglied der SS, am 1. Februar 1935 schließlich Kreisamtsleiter des Amts für Kommunalpolitik.

Das Amt eines Stadtverordneten übernahm er am 16. November 1930. Im Bürgerausschuss war er ordentliches Mitglied des Ausschusses für Bau- und Denkmalpflege, außerdem war er Stellvertretendes Mitglied des Beschwerdeausschusses für das Fürsorgewesen. An der als Rathausschlacht bezeichneten Schlägerei im Bürgerausschuss war Werle beteiligt. Am 11. Juli 1933 wurde er auch Stadtrat, nachdem die Stadträte der Sozialdemokratischen Deutschen Arbeiterpartei (SPD) widerrechtlich ausgeschlossen worden waren. Vom 14. November 1933 bis zum 20. Juni 1938 war er Karlsruher Ratsherr, ehe er am 30. Juni 1938 sein Amt im Bezirksrat antrat. Zuvor war er am 1. Mai 1938 städtischer Beamter mit dem Rang eines Verwaltungsoberinspektors geworden, als er Vorsitzender des Ortsgerichtsrats wurde, dessen Mitglied er seit 1935 war. Nun verkaufte er auch die väterliche Schreinerei, die er Ende 1932 nach dem Tod des Vaters übernommen hatte.

Bei der Wehrmacht war er 1939 in der Landeschützenkompagnie Heilbronn aktiv, ehe er im Januar 1940 seinen Dienst bei der Stadt wieder aufnahm. 1943 war er nochmal einige Monate bei der Wehrmacht in Donaueschingen und Kehl tätig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt die Polizeibehörde in dem Bericht für das Spruchkammerverfahren fest, dass Werle "immer noch ein fanatischer Anhänger einer kläglich zusammengebrochenen Weltanschauung" sei. Werle war unter anderem im Lager Ludwigsburg und in einem amerikanischen Lager in Garmisch interniert. Verurteilt wurde Werle im Juli 1949 zunächst als Hauptschuldiger zu drei Jahren Lagerhaft, die er durch die Internierung abgebüßt hatte, sein Vermögen wurde eingezogen. Im Oktober 1949 wurde er zurückgestuft als nun nur noch Belasteter, das Vermögen nur noch zu 20 Prozent eingezogen. Eine erneute Berufung Werles wurde 1952 endgültig abgewiesen.

Werle lebte bis in die 1970er-Jahre in Karlsruhe, ehe er nach Merzig verzog. Im Adressbuch ist er als Verwaltungsangestellter aufgeführt.

Ernst Otto Bräunche 2026

Quellen

StadtA Kaiserslautern, Standesbücher; StadtAK 1/POA 5875 a und b; GLA 465d Nr. 664, 465 f Nr. 1632.