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Otto Georg Heidt


Otto Georg Heidt

Kaufmann, Arzt, Heilpraktiker, * 11. Dezember 1905 Rastatt, † 3. Dezember 1978 Bad Liebenzell/Lkr. Calw, ∞ 17. November 1928 Sofia Merz, gesch. 1948, 1 Sohn.

Der Sohn eines Reichsbahnschaffners besuchte 1912 bis 1915 die Volksschule Karlsruhe, danach bis 1920 die Bürgerschule. 1920 bis 1921 war er am Lehrerseminar Gengenbach, eher er im Dezember 1921 eine Kaufmännische Lehre im Bankfach begann, die er 1924 abschloss. 1924 bis 1926 war er als Kaufmännischer Handlungsgehilfe tätig, 1926 gründete er als selbständiger Einzelhandelskaufmann eine Firma für Herde, Öfen und elektrische Heizungskörper in der Rudolfstraße. Nach dem Bankrott der Firma 1933 wurde er Stabsführer der Hitlerjugend (HJ) Baden und übernahm die Stellvertretung des Gebietsführers Friedhelm Kemper. Von 1935 bis 1940 studierte er an den Universitäten Heidelberg und Berlin Naturwissenschaften und promovierte 1940. Im Juni 1937 war an der Gründung des Vereins für bäuerliche Sippenkunde und bäuerliches Wappenwesen, Landesgruppe Baden e. V. beteiligt, dessen Geschäftsführung er übernahm. In gleicher Funktion wechselte er nach Berlin zur Förderungsgemeinschaft Gesundes Landvolk e. V. Die NS-Zeitung Der Führer lobte 1938 anlässlich seiner Berufung nach Berlin, dass er "in schwerster Kampfzeit in der vordersten Front der badischen Nationalsozialisten" gestanden habe.

Heidt war gleich im März 1925 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) nach deren Wiedergründung beigetreten, gab in einem Schreiben, in dem er die Gründung der Karlsruher Schutzstaffeln (SS) mitteilte, an den Reichsführer SS Heinrich Himmler aber an, dass er schon 1922 Mitglied geworden sei. Heinrich Himmler hatte bei Gauleiter Robert Wagner die Aufstellung einer SS-Truppe in Baden angemahnt. Wagner beauftragte Otto Heidt, der zuvor schon durch seine Beteiligung an politisch motivierten Schlägereien aufgefallen war. Diese Gründung wurde am 15. April 1929 von Himmler als Schutzstaffel anerkannt, so dass dies später als Gründungsdatum der Karlsruher SS galt. Im Januar 1931 erhielt Baden eine zunächst noch von Otto Heidt geleitete Brigade mit den Standarten Nord-, Mittel- und Südbaden. Im März des Jahres schied Heidt wegen Unstimmigkeiten mit der obersten SS-Leitung aus seinem Amt aus. 1932 wurde er in der Hitlerjugend (HJ) aktiv, in der er 1933 badischer Stabsführer und Stellvertreter des HJ-Gebietsführers Friedhelm Kemper wurde. Von diesem Amt ließ er sich auf eigenen Wunsch entbinden, wurde aber zum Sonderbeauftragten der HJ ernannt. Er war nun beim Reichsnährstand zuständig für Sippenkunde und Erbfragen und wurde Mitglied der Reiter-SS, zuletzt mit dem Rang eines Obersturmbannführers.

Seit 1933 hatte Heidt immer wieder für den Rundfunk geschrieben, unter anderem den Beitrag "Blutsfragen des deutschen Bauerntums" – Untergang der antiken Völker durch "Rassewandel und Vernichtung des Blutes", wofür er die "vorderasiatisch, semitisch-hamitische Rasse", den Juden verantwortlich machte. Am 15. Mai 1940 wurde er zur Wehrmacht beim Landesschützenbataillon Berlin eingezogen, wo er im September als Gefreiter zum Ausbilder bestellt wurde. Am 27. Juni 1941 wurde er so schwer verwundet, dass er bis 1943 im Lazarett lag und danach aufgrund seiner Verletzung entlassen wurde. Ausgezeichnet wurde er mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse, dem Verwundetenabzeichen und dem Infanteriesturmabzeichen in Silber. Nun war Heidt wieder als Geschäftsführer der Förderungsgemeinschaft Gesundes Landvolk e. V. tätig. Im April 1945 wurde er noch zur Waffen-SS eingezogen, kam aber nicht mehr zum Einsatz.

Nach kurzer Kriegsgefangenschaft war der mit dem goldenen Parteiabzeichen geehrte Alte Kämpfer Otto Heidt vom 27. Juni 1945 bis zum 14. April 1948 inhaftiert. Am 20. Januar 1948 stufte ihn die Spruchkammer als Belasteten ein, obwohl er behauptet hatte, dass ihm "von den verbrecherischen Zielen der Partei oder einer ihrer Gliederungen ... nie etwas bekannt" wurde. Der Widerspruch des Anklägers vom 9. März 1948 wurde abgewiesen. Heidt war zuletzt als Heilpraktiker in der Stephanienstraße tätig.

Ernst Otto Bräunche 2026

Quellen

GLA 465f/1913; StadtAK Melderegister; Karlsruher Zeitungen, https://digital.blb-karlsruhe.de/topic/view/7756828; Karlsruher Adressbücher, https://digital.blb-karlsruhe.de/Drucke/topic/view/485648 (Zugriff jeweils am 3. März 2026).