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Heinrich Klotz

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Heinrich Klotz

Heinrich Klotz, um 1985, ZKM.
Heinrich Klotz, um 1985, ZKM.

Kunsthistoriker, Architekturtheoretiker, Publizist, Gründungsdirektor, * 20. März 1935 Worms, † 1. Juni 1999 Karlsruhe, ∞ 1964 Gertrud Hooss, 1 Sohn, 2 Töchter.

Klotz studierte ab 1956 Kunstgeschichte, Germanistik, Philosophie und Archäologie an den Universitäten Frankfurt a. M., Freiburg, Heidelberg und Göttingen. Sein Fokus lag von Anfang an auf der Architektur und Architekturgeschichte, wie seine Dissertation über ein mögliches Frühwerk von Erwin von Steinbach (1963) und seine Habilitation über das Frühwerk von Filippo Brunelleschi (1968) zeigen. Nach Gastprofessuren in den USA und in Berlin erhielt er 1972 einen Ruf an das Kunstgeschichtliche Institut der Universität Marburg, an dem er bis zu seinem Weggang nach Karlsruhe 1989 als ordentlicher Professor wirkte.

Im Verbund mit dem Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann initiierte Klotz 1979 die Gründung eines Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt als städtisches Museum und Teil des projektierten Museumsufers. In demselben Jahr wurde er zum Gründungsdirektor des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt (DAM) berufen. Mit dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Ankaufsetat baute Klotz innerhalb weniger Jahre eine weltweit beachtete Sammlung mit Werken von zeitgenössischen Architektinnen und Architekten sowie Künstlerinnen und Künstlern auf. Im Sommer 1984 eröffnete das DAM in dem von Oswald Mathias Ungers entworfenen Museumsbau mit der Ausstellung Revision der Moderne.

Seit 1986 gehörte Heinrich Klotz dem Lenkungs- und Planungskreis der Karlsruher Projektgruppe ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) an, welche der vom Kulturreferat der Stadt angestoßenen Idee, in Karlsruhe ein Zentrum für Kunst und neue elektronische Medientechnologien zu gründen, eine Struktur geben sollte. Das "Konzept '88", das sich ausschließlich auf die Institution ZKM bezog, lag im Februar 1988 vor. Klotz ergänzte das Konzept in seiner im Januar 1989 herausgegebenen Schrift "Programm. Zentrum für Kunst und Medientechnologie und Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Ergänzende Ausführungen zum ‚Konzept '88'" noch um zwei weitere Institutionen: die Hochschule für Gestaltung (HfG) als Ausbildungsort für Kunst, Design, Medientechnologie und Theorie – für Klotz ein neuer Typus von Kunsthochschule – und ein Museum für Gegenwartskunst, das eng mit den Produktions- und Forschungsbereichen des ZKM zusammenarbeiten sollte. Damit bündelte er Forschungs- und Produktionsstätte für digitale Technologien, innovative Ausbildungsstätte und Präsentation neuartiger Kunsterzeugnisse an einem Ort.

1989 wurde Klotz zum Gründungsdirektor des ZKM und 1991 zum Gründungsdirektor der HfG berufen. Nachdem ein Museumsneubau beim Karlsruher Hauptbahnhof aus Kostengründen scheiterte, sprachen sich die Stifter des ZKM, die Stadt Karlsruhe und das Land Baden-Württemberg für die ehemalige Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik (DWM), die von 1915 bis 1918 nach Plänen von Philipp Jakob Manz erbaut worden war, als Standort aus. Nach Umbau und Sanierung des zehn Lichthöfe umfassenden Hallenbaus A fanden alle drei Institutionen, das ZKM, die HfG und das Museum für Neue Kunst, zwischen 1997 und 1999 dort ein Domizil.

1998 legte Klotz gesundheitsbedingt seine Ämter als wissenschaftlich-künstlerischer Vorstand des ZKM und Rektor der HfG nieder. In demselben Jahr wurde dem Mitbegründer und Herausgeber einer Reihe von Zeitschriften und Jahrbüchern zur Architektur, Kunst- und Kulturgeschichte das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Katja Förster 2026

Werk

Der Ostbau der Stiftskirche zu Wimpfen im Tal: Zum Frühwerk des Erwin von Steinbach, München 1967 (= Kunstwissenschaftliche Studien, Bd. XXXIX); Die röhrenden Hirsche der Architektur. Kitsch in der modernen Baukunst, Luzern 1977; Architektur des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1989; New York Architektur 1970–1990, München/New York 1989; Kunst im 20. Jahrhundert. Moderne – Postmoderne – zweite Moderne, München 1994; Eine neue Hochschule, Stuttgart 1995 (= Schriftenreihe der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Bd. 5); Architektur. Texte zur Geschichte. Theorie und Kritik des Bauens (Edition ZKM), Ostfildern-Ruit 1996; Die Entdeckung von Catal Höyük. Der archäologische Jahrhundertfund, München 1997; Kunst der Gegenwart. Museum für Neue Kunst | ZKM, Zentrum für Kunst und Medientechnologie, mit Beiträgen von Horst Bredekamp und Ursula Frohne, München, New York 1997; Wiedergegeben. Erinnerungen, Köln 1999.

Literatur

Roland Burgard: Heinrich Klotz 1935-1999, in: Bauwelt, Jg. 90, 1999, Heft 24, S. 1310 f.; Re-Visionen der Moderne. Begegnungen mit Heinrich Klotz, hrsg. von Judith Rottenburg und Hennig Arnecke, München, Paderborn 2010; Heinrich Klotz, https://zkm.de/de/personen/heinrich-klotz; Gründungsdirektor Heinrich Klotz, https://zkm.de/de/gruendungsdirektor-heinrich-klotz (Zugriff jeweils am 29. August 2026).