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[[Datei:Ins-0171 Coca-Cola Badische Presse 1939 07 15.jpg|alternativtext=Ganzseitige Werbung für die neue Coca-Cola-Fabrik in Neureut, Badische Presse vom 15. Juli 1939.|links|mini|Ganzseitige Werbung für die neue Coca-Cola-Fabrik in Neureut, Badische Presse vom 15. Juli 1939.]] |
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[[Datei:Ins-0171 Coca-Cola A43 44 5 26.jpg|alternativtext=Coca-Cola-Abfüllstraße im neuen Produktionswerk im Neureuter Tiefgestade Im kleinen Bruch, Februar 1982, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A43/44/5/26.|links|mini|Coca-Cola-Abfüllstraße im neuen Produktionswerk im Neureuter Tiefgestade Im kleinen Bruch, Februar 1982, Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A43/44/5/26.]] |
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Das Coca-Cola Werk Karlsruhe ist eines von noch 13 Produktionsstandorten (Stand März 2026) der Coca-Cola Europacific Partners Deutschland mit Sitz in Berlin. Diese hält die Konzession für Produktion, Abfüllung und Vertrieb vom US-amerikanischen Konzern Coca-Cola Company mit Sitz in Atlanta. In Karlsruhe werden neben der in inzwischen zahlreichen Variationen hergestellten Coca-Cola-Limonade und den beiden anderen Klassikern, Fanta und Sprite, die Getränke der Marke Monster Energys produziert und abgefüllt. |
Das Coca-Cola Werk Karlsruhe ist eines von noch 13 Produktionsstandorten (Stand März 2026) der Coca-Cola Europacific Partners Deutschland mit Sitz in Berlin. Diese hält die Konzession für Produktion, Abfüllung und Vertrieb vom US-amerikanischen Konzern Coca-Cola Company mit Sitz in Atlanta. In Karlsruhe werden neben der in inzwischen zahlreichen Variationen hergestellten Coca-Cola-Limonade und den beiden anderen Klassikern, Fanta und Sprite, die Getränke der Marke Monster Energys produziert und abgefüllt. |
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Die weltweite Expansion des US-Konzerns erfolgte in den 1920er-Jahren. In Deutschland wurde Coca-Cola erstmals 1929 in Essen, bis 2003 Sitz der deutschen Konzernzentrale der Coca-Cola Erfrischungsgetränke GmbH, abgefüllt. Von dort kam der aus einer Großbäckereifamilie stammende junge Kaufmann Karl Troullier (* 1912 Essen, † 1970 Karlsruhe) mit einer Konzession zum Alleinvertrieb in der Region nach Karlsruhe und baute 1936 einen Getränkevertrieb auf. Die Coca-Cola Flaschen bezog er aus Produktionsstätten in Frankfurt a. M. und Stuttgart. Über seine Getränkehandlung in der <lex id=" |
Die weltweite Expansion des US-Konzerns erfolgte in den 1920er-Jahren. In Deutschland wurde Coca-Cola erstmals 1929 in Essen, bis 2003 Sitz der deutschen Konzernzentrale der Coca-Cola Erfrischungsgetränke GmbH, abgefüllt. Von dort kam der aus einer Großbäckereifamilie stammende junge Kaufmann Karl Troullier (* 1912 Essen, † 1970 Karlsruhe) mit einer Konzession zum Alleinvertrieb in der Region nach Karlsruhe und baute 1936 einen Getränkevertrieb auf. Die Coca-Cola Flaschen bezog er aus Produktionsstätten in Frankfurt a. M. und Stuttgart. Über seine Getränkehandlung in der <lex id="top-1193">Herderstraße</lex> 19 vertrieb er auch andere alkoholfreie Getränkemarken, insbesondere Mineralwässer. Die Verbindung von Mineralwasserabfüllung und Coca-Cola blieb grundlegende Konstante im Konzern, da das Cola-Getränk, vom Zucker oder Süßungsersatz abgesehen, auf der Mischung von Mineralwasser und dem einst aus den USA zu beziehenden, geheimnisumwobenen Sirup besteht. Im Herbst 1936 erwirkte Troullier, der nie Mitglied der <lex id="ins-0324">Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP)</lex> war, vor dem <lex id="ins-1132">Landgericht Karlsruhe</lex> eine einstweilige Verfügung gegen einen konkurrierenden Mineralwasserhändler, nicht mehr zu behaupten, Coca-Cola sei ein <lex id="ereig-0048">jüdisches</lex> Erzeugnis und platzierte dies werbewirksam in den Zeitungen. Dasselbe Muster zeigte sich zeitgleich bei Konzessionären andernorts, dabei hatte die <lex id="ereig-0016">NS</lex>-Propaganda dies auch nicht behauptet. |
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Coca-Cola hatte sich spätestens nach den Olympischen Spielen 1936 in Deutschland etabliert. 1939 begann er als Konzessionär selbst mit der Coca-Cola-Produktion. Dazu erwarb er Ende 1938 die ehemalige jüdische Matzenfabrik Strauss beim Bahnhof <lex id="ort-0134">Neureut</lex> (heute: Straße <lex id="top-0080">Am Alten Bahnhof</lex>) und richtete eine moderne Fabrikationsanlage ein. Dort hatte 1913 der jüdische Bäckersohn Semy Strauss aus Karlsruhe mit der Geschäftsidee einer Großbäckerei expandiert und einen großzügigen Neubau errichtet. 1936 musste er infolge der nationalsozialistischen Verfolgung schließen und nach Palästina fliehen. Das NS-Blatt <lex id="ins-1164">Der Führer</lex> feierte die moderne, „saubere und helle“ Fabrikation gegenüber dem einstigen „schmutzigen“ jüdischen Betrieb. Getränke Troullier, 1939 einer von rund 50 Coca-Cola Konzessionären in Deutschland (1970: 124, zuletzt vor dem Ende des Konzessionär-Systems 2004: 8), zählte zu den größeren davon. Als im <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkrieg</lex> die Sirup-Lieferung aus den USA nicht mehr zur Verfügung stand, vertrieb Troullier, wie die anderen deutschen Coca-Cola-Betriebe, das in Essen kreierte Fanta, seinerzeit noch mit Äpfeln als Grundlage, neben eigenen Mineralwässern. |
Coca-Cola hatte sich spätestens nach den Olympischen Spielen 1936 in Deutschland etabliert. 1939 begann er als Konzessionär selbst mit der Coca-Cola-Produktion. Dazu erwarb er Ende 1938 die ehemalige jüdische Matzenfabrik Strauss beim Bahnhof <lex id="ort-0134">Neureut</lex> (heute: Straße <lex id="top-0080">Am Alten Bahnhof</lex>) und richtete eine moderne Fabrikationsanlage ein. Dort hatte 1913 der jüdische Bäckersohn Semy Strauss aus Karlsruhe mit der Geschäftsidee einer Großbäckerei expandiert und einen großzügigen Neubau errichtet. 1936 musste er infolge der nationalsozialistischen Verfolgung schließen und nach Palästina fliehen. Das NS-Blatt <lex id="ins-1164">Der Führer</lex> feierte die moderne, „saubere und helle“ Fabrikation gegenüber dem einstigen „schmutzigen“ jüdischen Betrieb. Getränke Troullier, 1939 einer von rund 50 Coca-Cola Konzessionären in Deutschland (1970: 124, zuletzt vor dem Ende des Konzessionär-Systems 2004: 8), zählte zu den größeren davon. Als im <lex id="ereig-0074">Zweiten Weltkrieg</lex> die Sirup-Lieferung aus den USA nicht mehr zur Verfügung stand, vertrieb Troullier, wie die anderen deutschen Coca-Cola-Betriebe, das in Essen kreierte Fanta, seinerzeit noch mit Äpfeln als Grundlage, neben eigenen Mineralwässern. |
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Der Name „Getränke-Troullier“ blieb nach dem Tod des Firmengründers noch präsent. Die Witwe Troullier hielt als Hauptgesellschafterin die Konzession, Geschäftsführer Schmider besorgte den operativen Betrieb, hatte selbst aber auch Firmenanteile. 1975 übernahm Ernst Lachenmeier die Konzession, der 1977 bereits die Baden-Badener Coca-Cola-Konzession erworben hatte. Lachenmaier stammt aus einem Schorndorfer Familienbetrieb der Mineralwasserproduktion (insbesondere die einst bekannte Marke Urbacher Quelle), der seit den 1950er-Jahren die Coca-Cola-Konzession für die Rems-Murr-Region innehatte. |
Der Name „Getränke-Troullier“ blieb nach dem Tod des Firmengründers noch präsent. Die Witwe Troullier hielt als Hauptgesellschafterin die Konzession, Geschäftsführer Schmider besorgte den operativen Betrieb, hatte selbst aber auch Firmenanteile. 1975 übernahm Ernst Lachenmeier die Konzession, der 1977 bereits die Baden-Badener Coca-Cola-Konzession erworben hatte. Lachenmaier stammt aus einem Schorndorfer Familienbetrieb der Mineralwasserproduktion (insbesondere die einst bekannte Marke Urbacher Quelle), der seit den 1950er-Jahren die Coca-Cola-Konzession für die Rems-Murr-Region innehatte. |
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Der Firmenname änderte sich so 1980 in Getränke-Industrie Mittelbaden (GIM), zunächst noch mit dem Zusatz Troullier GmbH & Co KG. Der Vertriebsbereich deckte den Raum Karlsruhe, Baden-Baden, Rastatt, die Ortenau und den Nordteil des Landkreises Lahr ab. Die Firma hatte auch Anteile am damaligen Coca-Cola-Werk in Bruchsal (2003 geschlossen). Nach 1995 lautete der Firmenname nur noch GIM mit Zusatz Verkaufsgebiet Mittelbaden respektive Baden-Württemberg. Der Coca-Cola-Konzern hatte begonnen, das Konzessionssystem einzuschränken durch Nichtverlängerung oder durch den Zwang, dass Konzessionäre Gesellschafter im Konzern werden mussten und ihre Eigenständigkeit verloren. So war noch vor der Restrukturierung der deutschen Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG zur Coca-Cola Europacific Partners Deutschland GmbH 2003/2004 mit endgültiger Beendigung des Konzessionssystems |
Der Firmenname änderte sich so 1980 in Getränke-Industrie Mittelbaden (GIM), zunächst noch mit dem Zusatz Troullier GmbH & Co KG. Der Vertriebsbereich deckte den Raum Karlsruhe, Baden-Baden, Rastatt, die Ortenau und den Nordteil des Landkreises Lahr ab. Die Firma hatte auch Anteile am damaligen Coca-Cola-Werk in Bruchsal (2003 geschlossen). Nach 1995 lautete der Firmenname nur noch GIM mit Zusatz Verkaufsgebiet Mittelbaden respektive Baden-Württemberg. Der Coca-Cola-Konzern hatte begonnen, das Konzessionssystem einzuschränken durch Nichtverlängerung oder durch den Zwang, dass Konzessionäre Gesellschafter im Konzern werden mussten und ihre Eigenständigkeit verloren. So war noch vor der Restrukturierung der deutschen Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG zur Coca-Cola Europacific Partners Deutschland GmbH 2003/2004 mit endgültiger Beendigung des Konzessionssystems Coca-Cola Karlsruhe nur noch ein Produktionsstandort im Konzern. 2003 stand gar die Schließung der seinerzeit noch in Mehrwegflaschen erfolgten Produktion im Raum. Später erfolgte die Umstellung auf reine Dosenabfüllung. In der Konzernstrategie wurde das Werk 2022 für Konzernsegmente der PET-Flaschen-Abfüllung um eine neue, zweite Produktionsstraße erweitert und dazu die benachbarte, 24.000 Quadratmeter große Fläche erworben. |
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Bei Coca-Cola Karlsruhe, einst Getränke Troullier, lag die Zahl der Beschäftigten 1946 bei 45, 1970 bei 120, 1998 bei rund 220, 2022 bei etwa 250, 2025 bei 230. Die Superlative in der Getränkeherstellung vermeldete das Werk für 2024 mit 278 Millionen Litern im Jahr, 1970 lag der verkündete Superlativ mit dem damaligen neuen Werk noch auf einem anderen Parameter: 36.000 abgefüllte (Glas)Flaschen pro Stunde. |
Bei Coca-Cola Karlsruhe, einst Getränke Troullier, lag die Zahl der Beschäftigten 1946 bei 45, 1970 bei 120, 1998 bei rund 220, 2022 bei etwa 250, 2025 bei 230. Die Superlative in der Getränkeherstellung vermeldete das Werk für 2024 mit 278 Millionen Litern im Jahr, 1970 lag der verkündete Superlativ mit dem damaligen neuen Werk noch auf einem anderen Parameter: 36.000 abgefüllte (Glas)Flaschen pro Stunde. |
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Aktuelle Version vom 10. August 2026, 14:32 Uhr
Coca-Cola Karlsruhe
(vormals Getränke Troullier, später Getränke-Industrie Mittelbaden)
Das Coca-Cola Werk Karlsruhe ist eines von noch 13 Produktionsstandorten (Stand März 2026) der Coca-Cola Europacific Partners Deutschland mit Sitz in Berlin. Diese hält die Konzession für Produktion, Abfüllung und Vertrieb vom US-amerikanischen Konzern Coca-Cola Company mit Sitz in Atlanta. In Karlsruhe werden neben der in inzwischen zahlreichen Variationen hergestellten Coca-Cola-Limonade und den beiden anderen Klassikern, Fanta und Sprite, die Getränke der Marke Monster Energys produziert und abgefüllt.
Die weltweite Expansion des US-Konzerns erfolgte in den 1920er-Jahren. In Deutschland wurde Coca-Cola erstmals 1929 in Essen, bis 2003 Sitz der deutschen Konzernzentrale der Coca-Cola Erfrischungsgetränke GmbH, abgefüllt. Von dort kam der aus einer Großbäckereifamilie stammende junge Kaufmann Karl Troullier (* 1912 Essen, † 1970 Karlsruhe) mit einer Konzession zum Alleinvertrieb in der Region nach Karlsruhe und baute 1936 einen Getränkevertrieb auf. Die Coca-Cola Flaschen bezog er aus Produktionsstätten in Frankfurt a. M. und Stuttgart. Über seine Getränkehandlung in der Herderstraße 19 vertrieb er auch andere alkoholfreie Getränkemarken, insbesondere Mineralwässer. Die Verbindung von Mineralwasserabfüllung und Coca-Cola blieb grundlegende Konstante im Konzern, da das Cola-Getränk, vom Zucker oder Süßungsersatz abgesehen, auf der Mischung von Mineralwasser und dem einst aus den USA zu beziehenden, geheimnisumwobenen Sirup besteht. Im Herbst 1936 erwirkte Troullier, der nie Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) war, vor dem Landgericht Karlsruhe eine einstweilige Verfügung gegen einen konkurrierenden Mineralwasserhändler, nicht mehr zu behaupten, Coca-Cola sei ein jüdisches Erzeugnis und platzierte dies werbewirksam in den Zeitungen. Dasselbe Muster zeigte sich zeitgleich bei Konzessionären andernorts, dabei hatte die NS-Propaganda dies auch nicht behauptet.
Coca-Cola hatte sich spätestens nach den Olympischen Spielen 1936 in Deutschland etabliert. 1939 begann er als Konzessionär selbst mit der Coca-Cola-Produktion. Dazu erwarb er Ende 1938 die ehemalige jüdische Matzenfabrik Strauss beim Bahnhof Neureut (heute: Straße Am Alten Bahnhof) und richtete eine moderne Fabrikationsanlage ein. Dort hatte 1913 der jüdische Bäckersohn Semy Strauss aus Karlsruhe mit der Geschäftsidee einer Großbäckerei expandiert und einen großzügigen Neubau errichtet. 1936 musste er infolge der nationalsozialistischen Verfolgung schließen und nach Palästina fliehen. Das NS-Blatt Der Führer feierte die moderne, „saubere und helle“ Fabrikation gegenüber dem einstigen „schmutzigen“ jüdischen Betrieb. Getränke Troullier, 1939 einer von rund 50 Coca-Cola Konzessionären in Deutschland (1970: 124, zuletzt vor dem Ende des Konzessionär-Systems 2004: 8), zählte zu den größeren davon. Als im Zweiten Weltkrieg die Sirup-Lieferung aus den USA nicht mehr zur Verfügung stand, vertrieb Troullier, wie die anderen deutschen Coca-Cola-Betriebe, das in Essen kreierte Fanta, seinerzeit noch mit Äpfeln als Grundlage, neben eigenen Mineralwässern.
Nach 1945 wurde das „Ami-Getränk“ allein über die US-Besatzungsmacht nach Deutschland gebracht. Getränke Troullier vertrieb zunächst wie vordem sein darüber hinausreichendes Sortiment. Im März 1947 wurde Karl Troullier wegen Wirtschaftsverbrechens zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, da er aufgrund des Mangels an Flaschen für Mineralwässer nach 1945 in großem Umfang Flaschendiebstahl von anderen Mineralwasserhersteller betrieben und sie durch Abschleifen oder Überstreichen als die eigenen ausgegeben hatte. Der drohende Ausschluss aus dem Branchenverband war von der Wirtschaftsabteilung der Landesregierung unerwünscht und wurde Anfang 1949 mit Verweis auf nunmehr wieder geltende „Gewerbefreiheit“ nicht weiterverfolgt. 1949 konnte in Deutschland und so auch in Neureut die Coca-Cola-Produktion wieder aufgenommen werden. Es folgte der Aufstieg der Troullier GmbH & Co. KG – Karl Troullier blieb Mehrheitsgesellschafter – zu einem der größten Standorte im deutschen Coca-Cola-Konzern.
Der Neureuter Betrieb wurde stets ausgebaut und in die modernste Technik investiert. 1969 wurden Produktion und Vertrieb in einen Neubau auf 18.000 Quadratmetern im Neureuter Unterfeld, direkt östlich gegenüber dem Alten Bahnhof verlagert. Im Stammhaus blieb die Verwaltung, die anderen Räumlichkeiten wurden untervermietet. Da eine Ausdehnung des Firmenareals dort wegen geplanter Wohnbauten nicht mehr möglich war, wurde 1980 ein 36.000 Quadratmeter großes Gelände im Neureuter Tiefgestade erworben und die neue Fabrikationsanlage im Mai 1982 offiziell eingeweiht. Das Firmengelände Unterfeldstraße/Georg-Büchner-Straße wurde für hochgeschossigen Wohnungsbau verkauft.
Karl Troullier war Zoo- und Sportfreund, selbst aktiv im Motorsport. Dies verband er als Mäzen mit seinem Geschäft, so schenkte er dem Zoo 1960 einen Jungelefanten, passenderweise Trulli genannt, und 1967 zwei junge Seehunde. Ihn verband eine Freundschaft mit der Boxlegende Max Schmeling, selbst Coca-Cola-Konzessionär in Hamburg, die er geschäftstüchtig nutzte. 1970 brachte er seinen 1967 eingestellten Prokuristen Roland Schmider in das Präsidium des Karlsruher Sportclub Mühlburg- Phönix (KSC), bei dem er von 1974 bis 2000 Vereinspräsident werden sollte. 1970 verstarb Troullier unerwartet mit 58 Jahren. Erst kurz zuvor hatte er auf dem Grundstück mit der ehemaligen Villa Merton vom Rittnerthof auf dem Turmberg das ehemalige Kutscherhaus zu seiner luxuriösen Villa umgebaut.
Der Name „Getränke-Troullier“ blieb nach dem Tod des Firmengründers noch präsent. Die Witwe Troullier hielt als Hauptgesellschafterin die Konzession, Geschäftsführer Schmider besorgte den operativen Betrieb, hatte selbst aber auch Firmenanteile. 1975 übernahm Ernst Lachenmeier die Konzession, der 1977 bereits die Baden-Badener Coca-Cola-Konzession erworben hatte. Lachenmaier stammt aus einem Schorndorfer Familienbetrieb der Mineralwasserproduktion (insbesondere die einst bekannte Marke Urbacher Quelle), der seit den 1950er-Jahren die Coca-Cola-Konzession für die Rems-Murr-Region innehatte.
Der Firmenname änderte sich so 1980 in Getränke-Industrie Mittelbaden (GIM), zunächst noch mit dem Zusatz Troullier GmbH & Co KG. Der Vertriebsbereich deckte den Raum Karlsruhe, Baden-Baden, Rastatt, die Ortenau und den Nordteil des Landkreises Lahr ab. Die Firma hatte auch Anteile am damaligen Coca-Cola-Werk in Bruchsal (2003 geschlossen). Nach 1995 lautete der Firmenname nur noch GIM mit Zusatz Verkaufsgebiet Mittelbaden respektive Baden-Württemberg. Der Coca-Cola-Konzern hatte begonnen, das Konzessionssystem einzuschränken durch Nichtverlängerung oder durch den Zwang, dass Konzessionäre Gesellschafter im Konzern werden mussten und ihre Eigenständigkeit verloren. So war noch vor der Restrukturierung der deutschen Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG zur Coca-Cola Europacific Partners Deutschland GmbH 2003/2004 mit endgültiger Beendigung des Konzessionssystems Coca-Cola Karlsruhe nur noch ein Produktionsstandort im Konzern. 2003 stand gar die Schließung der seinerzeit noch in Mehrwegflaschen erfolgten Produktion im Raum. Später erfolgte die Umstellung auf reine Dosenabfüllung. In der Konzernstrategie wurde das Werk 2022 für Konzernsegmente der PET-Flaschen-Abfüllung um eine neue, zweite Produktionsstraße erweitert und dazu die benachbarte, 24.000 Quadratmeter große Fläche erworben.
Bei Coca-Cola Karlsruhe, einst Getränke Troullier, lag die Zahl der Beschäftigten 1946 bei 45, 1970 bei 120, 1998 bei rund 220, 2022 bei etwa 250, 2025 bei 230. Die Superlative in der Getränkeherstellung vermeldete das Werk für 2024 mit 278 Millionen Litern im Jahr, 1970 lag der verkündete Superlativ mit dem damaligen neuen Werk noch auf einem anderen Parameter: 36.000 abgefüllte (Glas)Flaschen pro Stunde.
Der Standort Karlsruhe wird seit Ende der 1990er-Jahre von im Konzernbetrieb aufgestiegenen Betriebsleitern als Managern geführt und hat keinen originär familiären oder regionalen Bezug mehr.
Quellen
StadtAK 8/ZGS; GLA 455 Zug. 1992-53 Nr. 168, 520 Zug. 1981-51 Nr. 12830, 481-1 Nr. 725 (auch 309/2585-2592); Karlsruher Zeitungen, u. a. Der Führer vom 20. September 1936 (Einstweilige Verfügung, „kein jüdisches Erzeugnis“) und vom 15. Juli 1939 (Betriebseröffnung Neureut), Badische Neueste Nachrichten (BNN) vom 12.4.1947 und 26.11.1947 (Verurteilung wegen Wirtschaftsverbrechen), BNN vom 26.5.1951 (15-jährige Jubiläumschronik), vom 10.1.1970, vom 28.8.1981, vom 28.5.1982, vom 12.9.1986; https://www.cocacolaep.com/de/stories/karlsruhe-getraenkeproduktion-baden-wuerttemberg-deutschland/ (Zugriff am 16.3.2026)