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De:Lexikon:top-3134: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Top-3134 Werderplatz 8 Alben 62 33b.jpg|alternativtext=Der Werderplatz 1902 in Richtung Westen mit Marktgeschehen und Litfaßsäule, rechts die Brauerei Max Wolf, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 62/33b.|links|mini|Der Werderplatz 1902 in Richtung Westen mit Marktgeschehen und Litfaßsäule, rechts die Brauerei Max Wolf, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 62/33b.]]

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Der 190 x 24 Meter große Werderplatz wurde zu Beginn der <lex id="ereig-0038">Kaiserzeit</lex> als zentrale Platzanlage der <lex id="ort-0140">Südstadt</lex> angelegt, indem man die hier verlaufende <lex id="top-2923">Werderstraße</lex> zwischen <lex id="top-2973">Wilhelm-</lex> und <lex id="top-1853">Marienstraße</lex> entsprechend verbreiterte. Namensgeber für Straße und Platz war der General August von Werder, der sich im <lex id="ereig-0066">Deutsch-Französischen Krieg</lex> große Verdienste erworben hatte und dessen Genehmigung man dazu einholen musste, da er noch lebte.



Version vom 2. November 2026, 10:03 Uhr


Werderplatz

Der Werderplatz 1902 in Richtung Westen mit Marktgeschehen und Litfaßsäule, rechts die Brauerei Max Wolf, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 62/33b.
Der Werderplatz 1902 in Richtung Westen mit Marktgeschehen und Litfaßsäule, rechts die Brauerei Max Wolf, Stadtarchiv Karlsruhe 8/Alben 62/33b.

Der 190 x 24 Meter große Werderplatz wurde zu Beginn der Kaiserzeit als zentrale Platzanlage der Südstadt angelegt, indem man die hier verlaufende Werderstraße zwischen Wilhelm- und Marienstraße entsprechend verbreiterte. Namensgeber für Straße und Platz war der General August von Werder, der sich im Deutsch-Französischen Krieg große Verdienste erworben hatte und dessen Genehmigung man dazu einholen musste, da er noch lebte.

Von Anfang an war auf dem Werderplatz auch der Markt für die wachsende Bevölkerung des Stadtteils geplant worden, der seit 1874 dreimal in der Woche stattfand. Die Randbebauung des Platzes wurde mit mehrstöckigen Bürgerhäusern gestaltet, die mit Fassadengliederung, Balkonen und Erkern zumeist im Stil der Neorenaissance opulent ausgestattet waren. Eigentümer waren zumeist die Inhaber der Geschäfte und Handwerksbetriebe, deren Ladenlokale sich im Erdgeschoss und deren Werkstätten sich in den Hinterhäusern befanden. Sie wohnten selbst in der Beletage der Häuser im ersten Obergeschoss, während die übrigen Wohnungen vermietet waren. Die Südstadtbewohner konnten sich hier mit den Dingen des täglichen Bedarfs, aber auch mit Schuhen, Kleidung und Mobiliar versorgen. Auch Bäcker, Konditor und Metzger fehlten nicht. Zur Beschattung der Marktbesucher wurden 1885 die Kastanienbäume gepflanzt, die heute teilweise noch vorhanden sind oder im Lauf der Jahrzehnte ersetzt wurden.

Dem Aufenthalt vieler Menschen auf dem Platz wurde 1890 mit der Errichtung einer Bedürfnisanstalt Rechnung getragen, die aber bald als Schandfleck und Verkehrshindernis auf dem Platz wahrgenommen wurde. 1886/87 nahm an der Ecke zur Marienstraße die Brauerei Max Wolf ihren Betrieb auf und eröffnete ihren Hauptausschank im Erdgeschoss. Gegenüber wurde nach zweijähriger Bauzeit 1889 die Johanniskirche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht, nachdem sie im Stadtteil lange ohne ein repräsentatives Gotteshaus auskommen musste. Damit war die Bebauung des Platzes eigentlich abgeschlossen. Die Unzufriedenheit mit den sanitären Verhältnissen auf dem Platz sollte dann erst in den 1920er-Jahren dazu führen, dass der Werderplatz mit dem Indianerbrunnen seinen identitätsstiftenden Mittelpunkt bekam, der auf der Welt ziemlich einzigartig sein dürfte, wurde er doch zudem über einer neuen Toilettenanlage errichtet. Der Werderplatz wurde in der Zeit der Weimarer Republik auch für Konzerte und Sommertagsumzüge genutzt, in den 1930er-Jahren gestalteten ihn die Indianervereine der Südstadt mehrmals zum Indianerdorf um. Seit 1934 fand hier aber kein Marktgeschehen mehr statt, da die Markthalle am alten Bahnhof mittlerweile fertiggestellt war und auch die Südstadtbewohner dort einkaufen sollten.

Wie für die übrige Südstadt bedeutete aber dann die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg die einschneidendste Veränderung für den Platz. Einige Häuser und die Kirche wurden zerstört und mussten mühsam wieder aufgebaut werden. Danach prägten auch moderne Neubauten den Platz, so dass er heute nicht mehr das einheitliche Bild der Kaiserzeit abgibt. Die Häuser der ursprünglichen Bebauung stehen unter Denkmalschutz. Das Geschäftsleben, das in der frühen Nachkriegszeit weitgehend brachlag, entwickelte sich erst allmählich wieder. 1970 kehrte der Markt auf den Werderplatz zurück, nachdem die Markthalle am alten Bahnhof abgerissen worden war. Zwei alte hölzerne Kioske für Zeitungs- und Tabakverkauf mussten auf dem Platz weichen und eine stabilere und großzügigere Konstruktion eines dauerhaften Verkaufsstands entstand dafür 1981 am Indianerbrunnen. Viele traditionsreiche Geschäfte sind von neuen Inhabern mit Migrationshintergrund übernommen worden, die ein neues Angebot aus ihrer alten Heimat mitgebracht haben, das auch von einem studentischen Publikum gut nachgefragt wird.

Mittlerweile finden Straßenfeste und Festivals auch zu Europa- und Fußballweltmeisterschaften auf dem Platz statt, der dann mit Fahnen und Wimpeln der teilnehmenden Länder geschmückt ist. Mit dem von einem Verein getragenen KOHI hat sich außerdem neben dem Wirtshaus Wolfbräu ein kleines Kulturzentrum etabliert, das ein vielfältiges Programm für Musikfans, Kunstinteressierte und Literaturbegeisterte anbietet. Zu einem Problem hat sich allerdings im Laufe der Zeit die Alkohol- und Drogenszene entwickelt, die sich häufig zwischen Brunnen und Kirche aufhält. Hier suchen Stadtverwaltung und Polizei schon seit Jahren nach Lösungen. Die Aufenthaltsqualität auf dem Platz soll in naher Zukunft auch dadurch verbessert werden, dass der westliche Teil, der noch für den Autoverkehr und Parkflächen genutzt wird, in die seit 1981 bestehende Fußgängerzone einbezogen wird.

Peter Pretsch 2026

Quellen

Unser Werderplatz – Das Herz der Südstadt. Bürgerbeteiligungsverfahren der Stadt Karlsruhe von 2017, https://beteiligung.karlsruhe.de/content/bbv/details/11 Fußgängerzone Werderplatz; Website der Karlsruhe Tourismus GmbH, https://www.karlsruhe-erleben.de/attraktion/werderplatz-2a8953a9ac (Zugriff jeweils am 16. Oktober 2026).

Literatur

Anke Mührenberg: Werderplatz, in: Stadtplätze in Karlsruhe, hrsg. v. Stadtarchiv Karlsruhe durch Manfred Koch, Karlsruhe 2003, S. 272-279 (= Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 26).